Einsatz von medizinischen Textilien

 

Mit der stetigen Zunahme der Weltbevölkerung, der Erwartung

nach einem langen Leben und dem Wunsch nach hoher

Lebensqualität auch im Alter wächst die Nachfrage nach Textilien

       im Bereich der Medizin und im Bereich „Life Science“. 

       Diese Bereiche betreffen unmittelbar die Lebensbedingungen des

       Menschen, seine Gesundheit und Umwelt.

       Nach der Entwicklung von medizin. Textilien ist nun gefragt!

Die dafür benötigten neuen Techniken in der Medizin stellen hierfür

neue oder höhere Anforderungen an die eingesetzten Werkstoffe,

die in internationalen Normen festgelegt sind.

       Für die Zulassung solcher medizinischen Textilien müssen aber erst

       die erforderlichen Eigenschaften nachgewiesen werden.

Daher gehört die Zukunft den „intelligenten“ Textilien, die diese

spezifischen Funktionen und Eigenschaften gezielt erfüllen können.

 

Textile Strukturen werden heute in der Medizintechnik für unterschiedl.

Bereiche eingesetzt, wie z.B.:

 

1)   Im Umweltbereich und in der Biotechnologie werden Textilien,

    wie offenporige Pol- ,Vlies- und Veloursstoffe, als Strukturmatrix

    für Zellen und Bakterien eingesetzt.

 

2)   Im Hygienebereich bieten bioabbaubare Polymere die   

Möglichkeit der umweltfreundlichen Kompostierung bei

zusätzlicher Körperverträglichkeit und antimikrobieller Ausrüstung.

 

3)   Im Krankenhausbereich werden Einmalartikel aus Vliesstoffen

eingesetzt. Neue Membrantextilien mit mikroporösen

Beschichtungen (Porendurchmesser < 0,1 um) gewährleisten

eine hohe Keimdichtigkeit.

 

4)   Im Entwicklungsstadium ist der biohybride Organersatz.

Hierbei sollen textile Trägermaterialien durch lebende Zellen

„funktionalisiert“ werden. Auf diese Weise sollen textile Strukturen

die Aufgaben der Bauchspeicheldrüse oder der Leber

übernehmen.

Anwendungsgebiete medizin. Textilien

 

A) Textile Implantate

 

a) Chirurgische Netze (z.B. Stützung von Gefäß-

                                        Bioprothesen u. Organen)    

b) Gefäßprothesen (z.B. Blutgefäß- und

                                                  Luftröhrenprothesen)

c) Ersatzhaut (z.B. Patches für den Hirnhautersatz)       

d) Bänder- und Sehnenprothesen    

                                         

 

B) Wundversorgung

 

a) Chirurgische Nähfäden

b) Wundpflaster

c) Elastische und unelastische Binden

d) Salbenkompressen

e) Gipsverbände

f) Elastische Schlauchnetze

 

 

C) Abstandsgewirke

 

Für den Einsatz als therapeutisches Hilfsmittel:

a) in der Orthopädie

b) für die Dekubitusprophylaxe (Wundliegen- Vorbeugung)

c) in der Rehabilitation

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                         

 

         A) Textile Implantate

 

         Zur Geschichte der textilen Implantatstrukturen

 

     „In den 50er Jahren wurde erkannt, daß durch poröse, textile     

Strukturen Bindegewebe hindurchwachsen kann oder daß solche Strukturen von Endothelzellen überdeckt werden“.

      (Auszug aus H.Planck : Einsatz textiler Strukturen für die Implantation)

 

 

        Durch den Einsatz von Polyester (Polyethylenterephthalat) wurden

     Implantatmaterialien entwickelt, die sich als textile Gefäßprothesen

     für den Langzeiteinsatz eigneten.

  

     Nach einer Vielzahl klinischer Versuche wurde bestätigt, daß der

     Polyesterfaden der geeigneteste Textilrohstoff für implantierbare

     medizinische Textilien beim Menschen ist.

 

 
    

 

 

 

     Eigenschaften der Polyesterfäden :

 

-       gut im menschlichen Organismus verträglich

-       chemisch und physisch relativ inert (untätig)

-       behalten ihre Zugfestigkeit

-       lösen keine Allergien aus

-       rufen keine biologischen Aktivitäten hervor

-       sind nicht krebserregend

 

 

 

     Polyesterfäden mit spezifischen Eigenschaften für

     das Einsatzgebiet:

 

-       Texturfäden

     mit großer potentieller Dehnung für Gefäß - und

     Bioprothesen

 

-       Nachbehandelte Texturfäden

     für Herzklappenstützen

 

-       Rotosetfäden

     für gewirkte Netze für Muskelstützen

 

-       Fäden mit hoher Dehnung und minimalem Schrumpf

     für Nähfäden, mit denen im menschlichen Organismus

     gewirkte medizinische Textilien fixiert werden

 

-       Fäden mit groben Fasern und minimaler Dehnung

für chirurgische Nähfäden 

 

 

 

 

 

 

 

 Funktionen von textilen Implantatstrukturen

 

-       Gewebeersatz (künstliches Material als Implantat ersetzt  

                             biologisches Gewebe)

 

-       Gewebeverstärkung (textiles Material dient der 

                                                       Stabilisierung des neu zu bildenden

                                                       oder regenerierenden Gewebes)

 

-       Träger von Zellen (bei biohybriden Organen, d.h.

 
                                     künstliches Material in Kombination

                                     mit körpereigenen Zellen)     

                          

                      

                                                  in Entwicklung Tissue Engineering“

                                                                              ( Zellkulturtechnik)

 

 

-       Funktionsmäßiger Organersatz

(neue Organe werden durch Kombination von funktionalen Zellen mit Trägerstrukturen außerhalb des Körpers gebildet

und danach verpflanzt, z.B. Herzklappen, Herzmuskeln, Knochenersatz)    

 

                                                                                                                                              

Beispiele:1) Biohybrider Organersatz für den Pankreas

 
                    (Bauchspeicheldrüse)

                    zusammengesetzt aus textilem Träger

                    (PUR- Vlies) und Kapillarmembran

 

                 2) Herstellung von biologischen Herzklappen

                     bestehend aus einer Rahmenstütze aus PP,

                     überzogen mit einer gewirkten Maschenware

                     aus PES- Texturfäden. Der biologische Teil

                     besteht aus den Herzklappen des Wildschweins.

 

                 3) Biohybrider Luftröhrenersatz bestehend aus

                     einer mikroporösen Stützstruktur (PUR), die

                     von Epithelzellen besiedelt wird.

Wichtige Strukturparameter

 

 

                          Strukturparameter können das Implantat positiv oder     

                negativ verändern.      

 

 

-       Bindung

 

-       Wanddicke

 

-       Fadenstärke

 

-       Porosität und Porengröße  (Tabelle„Porositätsbereiche“)

 

-       Oberflächenrauhigkeit

                    (mikroporöse Oberflächen verursachen eine kleinere

Narbengewebsbildung als glatte oder sehr rauhe)

 

 

 

Porositätsbereiche von textilen Implantatstrukturen

 

        

 Struktur

Material

Porosität

  Gewirk

PES- Mutifilament

hochporös

  Gewebe

PES- Mutifilament

gering

  Vlies

Polyurethan

mikroporös

 

-       hochporös   = 1500 cm^3/cm^2 min

-       gering         =   500 cm^3/cm^2 min

-       mikroporös =   100 cm^3/cm^2 min

 

 

 

 

                  

 

 

          Mechanische und strukturelle Eigenschaften an

                                    medizinische Textilien

 

                 Entsprechend der Funktion des Implantats werden die

                 Struktur und das Material gemäß den gewünschten

                 mechanischen und strukturellen Eigenschaften ausgewählt.

 

 

      Mechanische Eigenschaften :

 

-       ausreichende Stabilität der Struktur auch unter Dauerwechselbelastung, wie Zug, Druck, Biegung

 

-       ein auf das zu ersetzende Gewebe abgestimmtes      

                     Kraft- Dehnungs- Verhalten

 

-       interoperative Längenanpassung der Prothese

 

 

 

       Strukturelle Eigenschaften :

 

-       keine unerwünschte Veränderung der Struktur und  

Porosität während des Implantationszeitraums

 

-       Porosität

keine unerwünschte Veränderung während der

Verweildauer im Körper

 

-       ausreichende Nahtausreißfestigkeit

 

-       Oberflächenrauhigkeit

Anhaftung von Zellen

 

-       Formstabilität

z.B. bei Gelenküberschreitungen bei Gefäßprothesen

 

 

                    Anforderungen an medizinische Textilien

 

 

     Die wichtigste allgemein gültige Anforderung ist die

     Biokompatibilität, d.h. Gewährleistung von Körperverträglichkeit

     des Materials und die Sterilisierbarkeit :

 

 

-       keine Auslösung von Allergien

 

-       kein Verursachen außergewöhnlicher Fremdkörperreaktionen

 

-       kein unerwünschter Einfluss auf das Zellwachstum

 

-       keine Veränderung der Bluteigenschaften (Blutgerinnung)

 

-       Sterilität

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

            Einteilung unterschiedlicher textiler Strukturen  

 

 

 

    Einteilung der Strukturen in Abhängigkeit von ihrer textilen

    Konstruktion (Bindung, Fadenverlauf)

 

 

 

 

 

 


 

Maschenwaren

- Gestricke

- Gewirke

 

 

 

 Vliesstoffe

 

  Webwaren

    - Gewebe

 

  Geflechte

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


1)  Eigenschaften von Gestricken

 

-       hohe elastische Verformbarkeit

(durch die reihenweise Anordnung der Fäden und der ausgebildeten Maschen)

 

-       Einsatz:  Bei Implantaten, die eine hohe elastische

 
                    Verformbarkeit der Struktur erfordern oder bei 

                    denen Verformbarkeit keine negativen Effekte

                    zeigt, z.B. für Kunststoffarterien von der

                    Flachstrickmaschine aus PES oder Teflon.

 

 

 

2)  Eigenschaften von Gewirken

 

-       geringe elastische Verformbarkeit in Längs- und

Querrichtung

-       Ausrichtung der Fäden in Längsrichtung

-       stabile Struktur

-       sehr hohe Nahtausreißfestigkeit im Vergleich zu Gestricken

-       hochporös       

                      

Einsatz: z.B. bei Gefäßprothesen und Patches als     

                               Hirnhautersatz

 

 

 

3)  Eigenschaften von Geflechten

 

             -   evtl. elastische Verformung in Längs- und

                 Querrichtung

 

-       Einsatz: z.B. als chirurgische Nähfäden für die

                   Stabilisierung von Bändern oder die Fixierung

                   von Knochenfrakturen

          

4)  Eigenschaften von Geweben

 

-       feste, dimensionsstabile Struktur

-       geringe Porosität, aber gewisse Steifigkeit

-       wenig elastisch verformbar

-       Neigung zum Ausfransen an Schnittkanten

(aufgrund geringer Faden- Faden- Fixierung)

 

-       Einsatz: z.B. als gewebte Gefäßprothesen

                   (Durchmesser von > 8 mm) im

                   Hochdruckbereich in Herznähe

 

-       Verschweißen der Schnittkanten !

(Bei gewebten Gefäßprothesen müssen die Schnittkanten

während der OP mit dem Elektromesser, Cutter, verschweißt werden.)

 

 

 

5)  Eigenschaften von Vliesstoffen

 

-        besitzen isotrope oder anisotrope Faserstrukturen 

(dem natürlichen Kollagen sehr ähnlich)

-       sehr gute Zellverträglichkeit

               

-       Einsatz: Vliesstoffe aus Polyurethan werden für

                                    hochelastisch verformbare Implantate          

                                    eingesetzt.

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 


a) Chirurgische Netze 

 

Einsatz: - zum Ersatz von Muskelhaut

                       - zur Ergänzung weicher Gewebe

                       - zur externen Umhüllung von Blutgefäßtransplantaten

 

         Textiler Rohstoff:  kettengewirkte Netze aus PES- Garn

                                       (z.B. 33 dtex PES- Filament)

 

         Eigenschaften: - hohe Gleichmäßigkeit der Maschenwarenstruktur                                   

 
                                  - Dimensionsbeständigkeit

                                  - hohe mechanische Festigkeit

                                  - Zuschnitt auf Maß ohne Ausfransen der Ränder

                                  - netzartige Struktur bewirkt gute Heilung

                                  - kein Erregen von Entzündungszuständen

                                  - beständig gegen die Einwirkung von

                                    Körperflüssigkeit

 

                       

              1) Gewirkte PP- Kunststoffnetze (16 g/m^2,sehr leicht)    

                    für den operativen Einsatz bei Leistenbrüchen.

                    Kunststoff wird mit Titan veredelt =Verbundwerkstoff

                  „Titan- Kunststoffverbindung“

 

Eigenschaften: - keine Angriffspunkte für Infektionskeime     

 
                                  -Titanoberfläche ähnlich dem Körpergewebe

                                  - perfekte Integration in das Körpergewebe

                                  - keine Abwehrreaktionen

 

        

                           2) Gewirktes PES- Korsett gegen Herzinsuffizienz

                              (Störung der Herzfunktion) als elastisches, zu einem

                               Beutel konfektionierten Netzgewirk

 

         Eigenschaften:  - biokompatibel (Körperverträglichkeit/ Sterilität)

                                   - sehr verträglich mit der Herzoberfläche

                                   - Netzbeutel schmiegt sich an die Herzform wie

                                     eine zweite Haut            

         b) Gefäßprothesen

 

        

         Einsatz:  Blutgefäßprothesen als Ersatz von nicht mehr

                        funktionstüchtigen Blutgefäßen

 

 

         Textiler Rohstoff:  Kettengewirkte Gefäßschläuche (24- 110 dtex PES)    
                                       hergestellt als Y- Abzweigung (Gabelungstechnik), 
                                       Durchmesser von 4- 24 mm 

 

     

               

             Eigenschaften:  - hohe Festigkeit

                                   - leicht, weich

                   - wachsen vernarbend ins Körpergewebe ein

                   - Orientierungsstreifen an der Prothese sorgt für

                     präzise Platzierung

                   - Kettengewirkstruktur verhindert ein Auftrennen

                     oder Ausfasern

                   - gleichen sich der Körperform und Bewegung des

                     Körpers ideal an

                   - durch ihre Biegsamkeit und Elastizität ist eine gute

                     Anpassung an das Körpergewebe- Wachstum

                     gesichert

        

                         

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


              c) Ersatzhaut

 

             

              Einsatz: -  provisorisches Überdecken von Hautverlusten in

                               Form von Patches bei Wunden, wie z.B.:    

                               Brandwunden, Geschwüre, Wundliegen,      

                               bösartige Hauttumore. 

                            -  zum Überdecken der gereinigten Wunden vor der

                               Transplantation

                            -  zum Reinigen der Wunden

                            -  zum Entfernen von Körpergeweberesten

 

 

 

              Textiler Rohstoff:  PA- Kettengewirk mit PUR- Schaumstoff 

                                            (z.B. 44 dtex PA- Filament)

 

 

              Eigenschaften:   - mildert örtliche Schmerzen

                                         - löst keine Allergien aus

                                         - wirkt anregend auf das Nachwachsen der

                                            Epidermis an den Rändern der Hautverluste  

                                         - vermindert die Bakterienflora

                                         -  Kettengewirkstruktur stellt Lüftung der Wunde

                                            sicher

                                         - optimale Heilung                   

 

   

 

 

                                  

 

 

 

 

 

 

 

 

    d) Bänder- und Sehnenprothesen

 

 

     Einsatz: - zur Rekonstruktion gerissener Gelenkbänder

                   - als Ersatz von Sehnen

 

 

              

     Textiler Rohstoff:  kettengewirkte PES- Bänder

                                   mit nach innen gerollten Seitenrändern,

                                   in Breiten von 1-5 mm/ in Längen 300-900 mm

                                   (z.B. 110 dtex PES- Filament)

 

 

 

      Eigenschaften: - kein Ausfransen an Schnittstelle

                               - beständig in den Längs- und Querabmessungen

                               - hohe mechanische Festigkeit

                               - Anpassen an die Körperbewegung (flexibel)

                               - kein Erregen von Entzündungszuständen

                               - vernarbendes Einwachsen in das Körpergewebe

                               - Gewirkstruktur gewährleistet Verwachsen mit

                                 dem Körpergewebe

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


B) Wundversorgung

 

Für diesen Bereich werden die sogenannten „Biofunktionstextilien“

eingesetzt, die zusätzlich kosmetische, prophylaktische oder therapeutische Funktionen besitzen.

 

Eigenschaften: - können von der Haut abgegebene Stoffe aufnehmen

                           bzw. speichern

                         - schützen den Träger vor schädlichen Einwirkungen

                         - können mit heilenden Wirkstoffen versehen werden,

                           die im direkten Hautkontakt beim Tragen durch

                           Wärme und Hautfeuchte wieder abgegeben werden

                           (z.B. Salbenkompressen)

                         - optimale Heilung

                        

 

 

 

a)  Chirurgische Nähfäden

 

 

Einsatz:  Verwendung für die Herstellung von langzeitig beim

                Menschen implantierbaren Prothesen 

  

Textiler Rohstoff:   hochwertige PES- Garne mit minimaler

                               Dehnung  

 

Eigenschaften:  - gute Dimensionsstabilität

                          - sehr hohe Zugfestigkeit

                          - hohe Zugbruchfestigkeit

                          - Zugdehnung unter 8%

                          - keine Schleifenbildung unter nassen Bedingungen 

 

 

 

 

b)  Wundpflaster

 

 

Einsatz: Wundpflaster- Strips, z.B. „Hansaplast“

 

 

 

Textiler Rohstoff: - kettengewirkter Pflasterstoff mit Spinnvlieseinlage oder

                             - Trägervlies mit aufgebrachtem gewirkten Pflasterstoff

 

                                 z.B.  Pflasterstoff aus 44 dtex PA- Filament

                                         Pflastereinlage aus Nm 34/1 CV

 

 

 

Eigenschaften: - kein Verkleben mit der Wunde, da luft- und

                           flüssigkeitsdurchlässige Oberflächenstruktur

                         - Polstereffekt durch dreidimensionale Struktur

                         - wundfreundlich

                         - desinfizierend durch antiseptisch imprägniertes CV- Garn

                         - optimales Haften der Klebefläche auf der Haut durch

                            hautsympatischen Polyacrylatkleber

                         - bei spezieller Ausrüstung wasserabweisend

 
              

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

c)   Elastische und unelastische Binden

 

 

Einsatz elastischer Binden:  Zum Ruhigstellen und Stützen bei der

                                               Behandlung und Nachbehandlung von

                                               Verletzungen und Erkrankungen der

                                               Muskeln, der Sehnen und der Gelenke.

 

 

Textiler Rohstoff:  Herstellung der Binden auf Elastik- Raschelmaschinen

                              aus CV bzw. CO mit PA und Gummi- oder

                              Elasthanfäden (z.B.  L1 67 dtex PA- Filament

                                                                 L2 Nm 48/1 CV

                                                                 L3 Gummi)  

 

 

Eigenschaften: Die Wareneigenschaften können je nach Legung und

 
                         Materialzusammensetzung variiert werden.

 

                         - Luftdurchlässigkeit durch netzartige Struktur, d.h. Haut

                           bleibt trocken  

                         - kochfest

                         - sterilisierfest

                         - alterungsbeständig

                         - unempfindlich gegen Schweiß, Fett, Öl, Salben und

                           Lösemittel     

 

 

 

Einsatz unelastischer Binden:  zum Fixieren von Kompressen

 

 

Textiler Rohstoff:  kettengewirkte Binden werden auf Raschelmaschinen

 
                              mit vier Legebarren hergestellt

                              z.B. Nm 70/1 PA/ CO

 

                                        

 

d)  Salbenkompressen

 

 

Einsatz:   -   für frische Wunden, wie Schürf- , Riß- und Platzwunden

-       bei Verbrennungen, Verbrühungen

-       Verätzungen

 

 

Textiler Rohstoff:  hergestellt aus einem mit Salbe präparierten,

                              gitterförmigen Kettengewirk (3- Maschen- Tüll)

 

 
                              z.B. L1 100 dtex PA bzw. PES

                                      L2/ L3 Nm 100/ 1 CO

 

 

Eigenschaften: - kein Verkleben mit der Wunde

                         - Sekret kann abfließen

                         - verhindert feuchte Kammern

                         - ungestörte Wundheilung

 

 

 

e)   Gipsverbände

 

 

Textiler Rohstoff:  hergestellt aus einem offenen kettengewirkten

                              mit Gips getränkten Trägermaterial

                              z.B. Nm 70/ 1 PA/ CO

 

 

Eigenschaften: - bindet große Mengen von Gips, d.h. viel Gips auf

                           kleinem Raum verankert

                         - schiebefester Aufbau sichert die Gipshärtung

                         - offene Struktur sichert gute Verteilung des Gipses

                                

 

 

f)    Elastische Schlauchnetze

 

 

Einsatz: - zum Festhalten von Verbänden auf Brandwunden

              - zum Behandeln von Verrenkungen

 

 

Textiler Rohstoff:  hergestellt aus hochelastischen texturierten Garnen,

                              Gummi- bzw. Elasthanfäden auf doppelbarrigen

                              Raschelmaschinen in unterschiedl. Durchmessern

 

                              z.B. Nm 53/ 2 CO oder 167 dtex PES text. mit

                                      Nm 9,1/ 1 Gummi umsponnen

 

 

Marken: -  „Elastofix“ (Beiersdorf)

               -  „Stülpa- fix“ (Hartmann)

               -  „Codofix“ (Tricomed)

 

 

Eigenschaften: - können ohne auszufransen längs und quer geschnitten

                           werden

                         - dehnen sich in Querrichtung ohne in Längsrichtung

                           kürzer zu werden

                         - straffer, weicher Sitz

                         - luftdurchlässig

                         - leicht anzubringen und bequem für Patient

                         - keine Einschränkung in der Bewegungsfreiheit 

 
 

 


 

 

 

 

 

 

 

C) Abstandsgewirke

 

Ziel:  - Erhaltung der Gesundheit des Menschen und die Gewährleistung

            humaner Lebensbedingungen

          - Einsatz von Abstandsgewirken als Alternative zu traditionellen

            Geweben, Vliesstoffen oder Verbundtextilien

 

 

 

Einsatz:  Eignen sich aufgrund ihrer dreidimensionalen Struktur und

               des variablen Einsatzes von unterschiedl. Faserstoffen für die

               verschiedensten Einsatzgebiete und besonders gut für

               funktionelle Anwendungen im hautnahen Bereich.

             

-       1) als therapeutische Hilfsmittel

         Eignung von weichen, elastischen und feuchteleitenden

         Strukturen

 

-   2) im Sitz- und Liegebereich 

                         Eignung von sehr druckstabilen, robusten Strukturen in

                         neuen Bindungsvarianten

 

-       3) für Schutzbekleidung

a)   Eignung von flammhemmenden Strukturen für

Betteinlagestoffe (Pflegebereich)

b)   Eignung von hochtemperaturbeständigen Strukturen

für Feuerwehrschutzkleidung

 

 

 

Textiler Rohstoff:  3- D- Abstandsgewirk auf doppelbarriger

                              Raschelmaschine hergestellt

 

                              z.B. a)  35% PA,  32% PES,  33% CV

                                      b)  89% PES,  11% CV

 

 

Die Struktur von Abstandsgewirken

 

Abstandsgewirke bestehen aus zwei textilen Außenflächen, welche

durch Polfäden als „Abstandshalter“ miteinander verbunden sind

und somit gleichzeitig auch auf Distanz gehalten werden.

Dadurch befindet sich in diesem Zwischenraum immer eine

„atmungsaktive“ Zone.

 

Je nach Anwendungszweck erfolgt die Konstruktion und Gestaltung

der abstandshaltenden Zone.

 

 

Wichtige Parameter für den späteren Einsatzzweck:

                                                                     

-       Dicke des Polfadens

-       Anzahl der Polfäden

-       Dicke des Textils (bestimmt durch Abstand der Barren)

-       Polfadenverlegungswinkel in Abhängigkeit vom Fräsblechabstand 

 

 

 

Eigenschaften von Abstandsgewirken

 

-       leicht

-       weich

-       hautsympathisch

-       elastisch

-       luftdurchlässig (atmungsaktiv)

-       Feuchtigkeit weiter leitend

-       thermoregulierend

-       dauerhaft wiederverwendbar

-       kostengünstiger im Vergleich zu Verbundstoffen

-       vielseitig einsetzbar

 

 

 

a) Abstandsgewirke in der Orthopädie

 

 

Einsatz:  im hautnahen Bereich (z.B. Bandagen)

 

 

Textiler Rohstoff:  - besonders eigenen sich monofile Polyesterfäden

                                in feinen Titerbereichen als Abstandshalterfäden

                                (Weichheit)

                              - Elasthane können in Feinheiten bis 130 dtex

                                verarbeitet werden (Elastizität)

                              - grobes Elasthan als Schußfaden wird in Feinheiten

                                bis 470 dtex eingesetzt (gute Kompression)

                              - Materialkombination PES/ Elasthan

                                problematisch für Färber:

                                für kräftige, dunkle Farben zweibadiges Färben

                                erforderlich

 

 

Eigenschaften:  - atmungsaktiv (thermoregulierend)

                          - druckelastisch

                          - weich, definiert dehnungselastisch

                          - feuchteleitend

                          - gute Oberflächenbeständigkeit

                          - gutes hautsensorisches und bekleidungsphysiologisches

                            Verhalten

 
 

                 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

b) Abstandsgewirke für die Dekubitusprophylaxe

 

 

Einsatz:  z.B. - Anti- Dekubitus- Decken (Auflage) bei bettlägerigen   

                         Patienten, um ein Wundliegen zu verhindern oder

                       - als Ergänzung zu bestehenden Dekubituslagerungs-

                         Systemen, wie Schaumstoff- und

                         Wechseldruckmatratzen   

 

 

Eigenschaften:  - hohe Luftdurchlässigkeit

                          - guter Feuchtetransport (Schweiß) durch geeignete

                            Materialkombinationen (PES/ CV)

                          - weich

                          - druckelastisch (Reduzierung des Auflagedrucks des

                            Körpers)

                          - durch „atmungsaktive“ Zone wird ein Mikroklima

                            geschaffen zwischen Körper und Auflage

 

 

 

 

 

c) Abstandsgewirke in der Rehabilitation

 

 

Einsatz:  z.B. - Rollstuhlkissen

                      - Abstandsgewirk als Alternative zu Schaumstoff- ,

                         Luftlamellen- und Gelkissen

 

Eigenschaften: - atmungsaktiv

                         - thermoregulierend

                         - Druckentlastung im Gesäßbereich

                         - verbesserter Sitzkomfort

                         - verringertes Entstehungsrisiko eines Druckgeschwürs     

      

                         

Begriffserklärungen

 

 

anisotrop:  Fasern sind richtungsabhängig, z.B. in Längs- oder

                   Querrichtung

 

 

biohybride Organe:  künstliches Material in Kombination mit

                                  körpereigenen oder - fremden Zellen

 

 

Dekubitus:  Wundliegen bei dauernd Bettlägerigen als Folge

                    mangelhafter Gewebsernährung

 

 

Endothelzellen:  Zellen zur Auskleidung der Blutgefäße und

                           Körperhöhlen

 

 

isotrop:  Fasern sind richtungsunabhängig, z.B. wirr

 

 

Insuffizienz:  Störung der Herzfunktion, z.B. vergrößerter Herzmuskel

 

 

Kapillare:  kleinste Blutgefäße

 

 

Kollagen:  von Bindegewebszellen abgeschiedenes Faserprotein

 

 

Life Science:  naturwissenschaftliche Disziplinen

 

 

Patches:  engl. Stoffflicken, hier „textiler Gewebeflicken“ als

                Hautersatz

 

 

Polymere:  makromolekulare natürliche oder (durch Polymerisation

  -  kondensation, - addition) synthetische, aus zahlreichen

  Monomeren aufgebaute Verbindungen mit einer

  Molekülmasse über 1000.     

    

 

Porosität:  Durchlässigkeit der Membran - Porigkeit

                  makroporös = großporig

                  mikroporös = kleinporig

                  z.B. sollen feinste Gewebeporen bei textilen Strukturen

                  eine Luftzirkulation zulassen.

 

 

Rotosetfaden:  Wird hochelastisches Garn (HE) erwärmt unter leichter

                         Spannung, bevor es aufgespult wird, dann setzt man

                         die sehr hohe elastische Drehung herab.

                         Das Set- Garn besitzt einen hohen Bausch und weichen

                         Griff, ist wärmend.

 

 

Texturfäden:  Bei der Texturierung handelt es sich um eine

                       Strukturänderung, d.h. eine Knickung oder eine schleifen -

                       bzw. spiralförmige Verformung der Kapillare bzw. Fasern.

                       Texturierfäden besitzen eine hohes Volumen und eine hohe

                       Elastizität, eine große Wärmehaltung und einen reduzierten

                       Glanz (Glätte).

 

 

Tissue Engineering:  Zellkulturtechnik

 

 

Zugbruchfestigkeit:  - Zugbruchkraft

                                   Sie ist die Kraft, die zum Faserbruch führt.